„Wir machen das!“

(07.03.2016)

Zum ersten Entscheidertreffen im neuen Jahr hatte wuppertalaktiv! in die Räumlichkeiten des Jobcenters in Oberbarmen geladen. In der OPERA im ehemaligen Luhns-Gebäude referierten der Sozialdezernent Dr. Stefan Kühn sowie der Integrationsbeauftragte der Stadt und Leiter des Ressorts Zuwanderung und Integration, Jürgen Lemmer, über die Situation der Flüchtlinge in Wuppertal.

Für einen Stadtmarketing-Verein, so wuppertalaktiv!-Vorsitzender Christof Nieder bei seiner Begrüßung, stehe bei wichtigen Entwicklungen, gerade auch beim Thema Flüchtlinge, die Tatsachendiskussion im Vordergrund. Denn man wolle lernen und nicht den Parolen der Stammtische folgen.
Positiv sei erst einmal, so Dr. Kühn, dass durch den Zuzug von Ausländern die Einwohnerzahl Wuppertals nach Jahren des Rückgangs seit drei Jahren wieder ansteige. Dabei gründe sich die Anzahl der rund 10.000 neuen Ausländer etwa zu gleichen Teilen auf Zuwanderung oder Familiennachzug und auf Flüchtlinge. Dabei sei die erstere Gruppe weit problematischer, denn die Zuwanderer hätten keinen Anspruch auf Sozialleistungen, viele von ihnen landeten auf dem sogenannten Arbeiterstrich. Integration für sie wie auch für die Flüchtlinge sei daher oberstes Gebot. Und die fange auch mit den eigenen vier Wänden an. „Unsere Strategie, die Flüchtlinge in Wohnungen statt in Notunterkünften unterzubringen, wird bundesweit positiv wahrgenommen“, so Kühn. Natürlich sei es damit nicht getan. Für rund 1.000 Kinder und Jugendliche müssten neue Plätze in Kitas und Schulen geschaffen werden. Denn es seien vor allem junge Menschen, die hierher flüchteten, Menschen mit einer Zukunft und Potentialen. Das Hauptaugenmerk liege daher auf deren Ausbildung.

Investition in Bildung
Lemmer bedauerte die lange Bearbeitung der Asylanträge. Tatsächlich müsse auf einen Bescheid zwischen 17 Monaten und zweieinhalb Jahren gewartet werden. „Solange können und dürfen wir nicht warten!“ Die Hauptgruppe der Flüchtlinge bildeten Städter, davon nur wenige über 50 Jahre alt, gebildet und motiviert. Diese müssten möglichst schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden. Bei all dem aber stoße man auch bei der Stadt an seine Grenzen, oft werde bis tief in die Nacht gearbeitet, zusätzliche Stellen müssten geschaffen werden. Dies gelte auch für neue Lehrerstellen, vor allem für qualifizierte Sprachlehrer. Doch er wolle hier nicht wehklagen, bekräftigte Lemmer, das tue er an anderer Stelle. Denn ohne Förderung durch Bund und Land seien die Aufgaben nicht zu stemmen.
Tagtäglich aber, so sind sich Kühn und Lemmer einig, erlebe man positive Dinge. Das liege auch an den zahlreichen Bürgerinitiativen in der Stadt. Aus dem „Wir schaffen das!“ sei in Wuppertal ein „Wir machen das!“ geworden.

Der Vorstand des Wuppertaler Jobcenters Dr. Andreas Kletzander, Gastgeber an diesem Abend, sieht eine wachsende Bereitschaft der Unternehmen zur Unterstützung. „Diese Menschen müssen etwas zu tun haben“, mahnte Kletzander an. Praktika würden auf die Dauer von zwölf Wochen ausgedehnt, der Fokus liege auf Sprachförderung und Qualifikation, man habe Gestaltungsmöglichkeiten beim Bleiberecht. Geplant sei zudem ein Kompetenzzentrum für Flüchtlinge. Schon jetzt gebe es eine enge Zusammenarbeit zwischen den städtischen Ressorts, dem Jobcenter und den Institutionen, beispielsweise dem Berufskolleg oder der Handwerkerinnung.
„Wir sind hier in Wuppertal auf einem guten Wege bei der Integration“, ist sich Dr. Kühn sicher und zitierte das Schlusswort eines Artikels der ZEIT zum Thema: „Deutschland braucht mehr Wuppertal.“