Stadtspaziergang, der VIII.: Rott and roll

(28.09.2017)

Petrus muss wuppertalaktiv!er sein, denn pünktlich zum Beginn des Stadtspaziergangs am 26. September gebot er dem Regen Einhalt und überraschte stattdessen mit einem Regenbogen über Wuppertal-Barmen. Oberbürgermeister Andreas Mucke führte – dieses Mal im Team mit Stadtführerin Daniela Lange – 30 Gäste und Mitglieder über den Rott.

wuppertalaktiv!-Geschäftsführerin Antje Lieser begrüßte die Gruppe im Stadtpark an der Tannenstraße, mit wunderbarer Aussicht auf die Barmer Nordstadt und Blick auf den Hohenstein. Das Naturdenkmal, so Lange, war schon vor der Anlegung des ihn umgebenden Parks 1908 ein beliebter Ausflugsort und soll einst eine germanische Kultstätte gewesen sein. Frühere Sagen berichten wegen eines nach Tinte aussehenden Flecks, der Hohenstein sei gar das Schreibpult des Teufels gewesen sein … – lieber zurück in die Tannenstraße. Dort zeugen die noch verbliebenen vier Mietshäuser der Barmer Baugenossenschaft aus den 1870er Jahren vom ersten Wohnungsausbau auf dem Rott, das ursprünglich „Rodung“ bedeutet. Und tatsächlich musste hier der Wald erst im späten 19. Jahrhundert weichen. Denn der kalkige Untergrund und damit das Fehlen von Trinkwasser machten ein Wohnen auf dem Rott unmöglich. Erst mit der Einrichtung von Talsperren und dem Bau von Wasserleitungen erreichte das lebensnotwendige Nass ab 1883 – damals noch von Volmarstein – auch den Rott. Als die Barmer dann – heimlich – ab 1896 Land in Lüttringhausen erwarben und dort die Herbringhauser Talsperre bauten, ging es auch mit der Besiedelung des Rotts zügig voran, und so sind die meisten Häuser dort um die 100 Jahre alt. Das zeigen auch die Grundschule in der Kastanienstraße, auf deren Schulhof ein denkmalgeschützter Trinkwasserbrunnen steht, und die danebenliegende Direktorenvilla sowie die alte Turnhalle.

Entwicklungsschub Nordbahntrasse
Weiter ging es durch die Buchenstraße zu dem 1924 errichteten und 2012 restaurierten Stellwerk neben dem Zugang zur Nordbahntrasse. Diese, so Mucke, habe dem Rott – wie auch anderen Stadtteilen, die bis dahin mehr abseits und weniger im Fokus gelegen hätten – einen Entwicklungsschub gegeben. „Hier blüht alles auf“, freut sich der OB. Mittlerweile würden am Rott wieder Wohnungen gesucht, die Immobilienpreise steigen. Und überhaupt würde einiges passieren auf dem Rott, wo ein Stadtteiltreff eingerichtet sei, das Wuppertaler Kinderparlament seinen Sitz hat, der rührige Bürgerverein unter anderem jedes Jahr das UNICEF-Kinderfest organisiere und die Viktoria Rott neben zwei Jugendnationalspielern auch einst den BVB-Profi Goncalo Castro förderte. Mucke hofft, dass mit der Entwicklung der Hatzfeld-, der Schwarzbach- und der Langenfelder Trasse auch weitere Quartiere profitieren.
Weiter führte Lange, die unterwegs immer wieder zahlreiche Geschichten und Dönekes zum Besten gab, die Gruppe zum Rotter Platz mit der von eben jenem Rotter Bürgerverein 2002 zu seinem 100jährigen Bestehen gestifteten Schwebebahnuhr.
Von hier aus ist es nur ein Katzensprung zu einem architektonischen Highlights nicht nur des Rotts, sondern ganz Wuppertals: der vom Barmer Stadtbaudirektor Eugen Rückle 1928 im Sinne der Gartenstadtbewegung erbauten Waldhof-Siedlung mit ihren im letzten Jahr restaurierten Arkaden, die an den Schönebecker Busch anschließt.
Anders der 2007 verkaufte Hochbunker in der Großen Hakenstraße, den Mucke „vernünftig entwickelt“ sehen möchte. Die Stadt sei mit dem Eigentümer im Gespräch.
Zurück in der Tannenstraße ging es in die Eichenstraße vorbei an der nach dem Rott- und Viktoria-Förderer Wolfgang Gabriel benannten Treppe und der Helene-Stöcker-Förderschule, die an die Elberfelder Frauenrechtlerin erinnert, ins „EssTal“. Dort wartete die Familie Akkus mit leckeren türkischen Spezialitäten auf und sorgte so für einen gemütlichen Abschluss dieses Stadtspaziergangs, und alle waren sich einig: Ein Besuch dieses angenehm ruhigen Viertels lohnt, ob mit dem Rad von der Trasse oder zu Fuß durch den Hohensteinpark oder den Schönebecker Busch. Und verhungern wird man auf dem Rott auch nicht.