Stadtspaziergang, der VI.: „'ne Menge Musik hier!“

(07.04.2016)

Christoph Nieder, Vorsitzender von wuppertalaktiv!, sah sich angesichts der Teilnehmerzahl beim ersten Stadtspaziergang 2016 bestätigt: „Das Format lebt weiter!“ Und das auch unter dem „neuen“ Oberbürgermeister Andreas Mucke, der die Wandergruppe am 6. April durch Wichlinghausen führte.

Nicht ohne Grund, denn Mucke war bis zu seiner Wahl dort Quartiersentwickler. Und er weiß: „Der Osten Wuppertals ist besser als sein Ruf!“

Seit mehr als drei Jahren laufen verschiedenste Projekte, 25 Mio. Euro werden im Rahmen des Programms Soziale Stadt dorthin fließen, von denen die Stadt ein Fünftel trägt, der Rest kommt von Bund und Land. Los ging es an der Skaterhalle Wicked Woods unweit der Nordbahntrasse, die, so Mucke, bis nach Langerfeld verlängert werden wird. Vorbei an der Trassenkappelle führte der Weg durch das fast fertiggestellte Bergische Plateau in die ehemalige Prachtstraße Wichlinghausens, die Luhnsstraße. Viele Villen aus der Gründerzeit zeigen den alten Glanz – und der soll wiederkommen. Dazu bietet die Stadt mit dem Hof- und Fassadenprogramm den Eigentümern Unterstützung an. Vorwerk und die akf Bank haben sich dort angesiedelt, der Verein des Islams und Frieden e.V. mit seiner Moschee leistet wertvolle Integrationsarbeit.

Durch die Kreuzstraße ging es in einen der geschichtsträchtigsten Teile Wuppertals. Denn rund um Königsberger und Marienburger Straße waren ehemals viele Textilfabriken in Betrieb. Sie werden liebevoll restauriert, es entstehen Loftwohnungen, Büros, Ateliers und vieles mehr. Beispiel dafür sind die Königsberger Höfe, die die Firmengruppe Küpper entwickelt. Beim Besuch des Projekts traf Mucke alte Bekannte wieder, beispielsweise Andreas Herr, der mit seinem Tonstudio dort einzieht, oder den Inhaber der Kleinen Patisserie, Markus Temme, der den Spaziergängern von seinen Plänen für sein Catering- und Gastro-Unternehmen in den Höfen erzählte. Auch die Wuppertal Marketing GmbH hat hier eine Dependance. „Hier kommt Leben rein“, so Muckes Kommentar.
Der Gang durch die Handelstraße vorbei am schönen Görlitzer Platz zeigte, dass Wichlinghausen durchaus Potential als Wohnstandort hat. „Sogar vom Ölberg sind Menschen hierhin gezogen“, wusste Mucke zu berichten.

Ganz anders die Wichlinghauser Straße, in der es viel Leerstand und restaurierungsbedürftige Fassaden gibt. Das trübt den positiven Eindruck, den man in den Seitenstraßen des Viertels gewinnt. Hier müsse noch viel passieren, bekräftigte Mucke. Die Stadt sei aber mit den Eigentümern im Gespräch, die ihrerseits mit ihrem Engagement zeigten, dass Wichlinghausen auf einem guten Weg sei. Ein gutes Beispiel dafür ist das Gelände der ehemaligen Textilfabrik Bünger. Für das riesige Areal unweit der Trasse, das nicht kommerziell genutzt werden soll, gibt es bereits viele Ideen, so für ein Hostel oder ein Fahrradhaus. Auch das Jobcenter mit dem Bildungswerk für Alternative Kommunalpolitik (BiwAK e.V.) soll dort einziehen. Der Fall Bünger zeige den Wert der Privaten als Impulsgeber für die Quartiersentwicklung, so der OB.

Von Bünger aus ging es zurück auf die Trasse, vorbei am renovierten Schulzentrum Ost und der Parcouranlage am ehemaligen Wichlinghauser Bahnhof zum Ausgangspunkt eines interessanten und sehr informativen Spaziergangs. „Seien Sie Botschafter des Wuppertaler Ostens“, bat Andreas Mucke zum Abschied, ehe er zum nächsten Termin entschwand. Für die Teilnehmer dagegen gab es noch Speis und Trank im Café Nordbahntrasse der Wichernhaus Wuppertal gGmbH.