Romeo & Julia:Theater hautnah!

(07.09.2015)

Beim Kulturausflug von wuppertalaktiv! am 4. September hatten die Mitglieder des Vereins die einmalige Gelegenheit, ganz intensiv Theaterluft zu schnuppern: bei den Proben der Neuinszenierung von William Shakespeares „Romeo und Julia“ – nur wenige Tage vor dessen Premiere.

wuppertalaktiv! gehört mit zu den Unterstützern des ambitionierten Projekts, und so freute sich Geschäftsführerin Antje Lieser, mehr als 80 Kulturbegeisterte in der Kantine der RIEDEL Communications GmbH begrüßen zu dürfen. Denn in der imposanten Halle 5 des ehemaligen Quante-Geländes an der Uellendaler Straße wird nicht nur geprobt, auch die neun Aufführungen des Theaterstücks werden dort stattfinden.
Und so staunten die „Ausflügler“ über die beeindruckende Atmosphäre des riesigen Raumes: Schwere Kräne aus den 1960er Jahren unter der Decke als Zeugen von Wuppertaler Industriekultur im scheinbaren Widerspruch zu filigranen Skulpturen und Bühnen, die aus Marmor zu bestehen scheinen – erinnerten sie nicht an die Kunst des Bildhauers Tony Cragg?
Tatsächlich wurde Cragg als Bühnenbildner für das Stück gewonnen. Und überhaupt ist das Projekt ein Gesamtkunstwerk der Wuppertaler Kulturszene: Neben Cragg sind unter anderem die Wuppertaler Musiker Wolfgang Schmidtke, Matthias Burkert und Werner Dickel sowie der langjährige Pina-Bausch-Tänzer Jean Laurent Sasportes beteiligt, für die Videoprojektionen sorgen Sven Petersen und Ralf Silberkuhl. Und natürlich wirken – neben Schauspielern aus Bochum und Köln – zahlreiche Mitglieder des Wuppertaler Bühnenensembles mit. So soll ein einmaliges Zusammenspiel von Sprache, Bewegung, Musik und bildender Kunst entstehen.
„Wir haben keine Zeit, wir müssen arbeiten“, entschuldigte der Regisseur Robert Sturm, ehemals künstlerischer Assistent Pina Bauschs und heute Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros des Tanztheaters, seine kurze Begrüßung. Und dann wurden die wuppertalaktiv!en  bei den Proben zur fünften und sechsten Szene des dritten Aktes Zeugen, welch harte Arbeit hinter dem Theaterschaffen steckt. Immer wieder wurde unterbrochen, wurden Bewegung, Position und Betonung neu diskutiert. Und was war das? Graf Capulet hat „die Faxen dicke“? Die Zuschauer hatten sich nicht verhört. Denn zum Konzept des Projekts gehört auch, dass das Stück in einer Neuübersetzung des Regisseurs und Intendanten Frank-Patrick Steckel aufgeführt wird. Die moderne Übertragung unterstreicht die gerade in heutigen Zeiten aktuelle Bedeutung von „Romeo und Julia“.
Tief beeindruckt kehrten die Teilnehmer dieses Kulturausflugs nach der Probe in die Kantine zurück. Und obwohl seit Anfang September zwei Mal und acht Stunden pro Tag geprobt wird und, wie Sturm zugab, man „ein bisschen unter Druck“ stehe, nahmen sich der Regisseur und Schauspielerin Ingeborg Wolff die Zeit, die zahlreichen Fragen der Gäste zu beantworten.
In jedem Fall werden viele, wenn nicht gar alle der Besucher, das wurde beim anschließenden Beisammensein bei Imbiss und Getränken klar, nach dem Erlebten einen Besuch dieses herausragenden Wuppertaler Kulturereignisses fest eingeplant haben.