Kulturausflug: 35 Jahre Müllers Marionetten-Theater

(07.06.2018)

Alleine geht nichts! Ein Wuppertaler Wunder.

Müllers Marionetten-Theater feiert sein 35-jähriges Jubiläum mit einer Ausstellung in der Wuppertaler Sparkasse am Islandufer. Grund genug für wuppertalaktiv!, seine Mitglieder zum Kulturausflug dorthin zu laden, um der Eröffnung beizuwohnen und sich exklusiv von Theaterchef Günther Weißenborn die Geschichte dieses einzigartigen Kleinods der Wuppertaler Kulturszene erzählen zu lassen.

Es herrschten saunaähnliche Temperaturen in der Glashalle der Sparkasse am Johannisberg an diesem 6. Juni, und so waren die rund 40 Teilnehmer froh, vom wuppertalaktiv!-Vorsitzenden Jürgen Harmke, als Pressesprecher der Sparkasse auch Gastgeber der Veranstaltung, in einen kühleren Seminarraum geführt zu werden. Dort begrüßte wuppertalaktiv!-Geschäftsführerin Antje Lieser ihre Gäste und gab sogleich das Wort weiter an Günther Weißengerber. Er selbst sei ja auch Jubilar, so der Dramaturg. Vor 60 Jahren, als Achtjähriger, habe er zum ersten Mal auf der Bühne gestanden, in der Rolle des Knabensoprans Gheradino in Puccinis Oper „Gianni Schicchi“ in Detmold. Und überhaupt sei das Theater ja von seiner Ehefrau Ursula – „ein toller Mensch!“ – 1983 in Bremen gegründet worden. Die Schweizerin, eine geborene Müller – daher rührt auch der Name des Theaters – ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und fand über Zürich, Paris und Boston den Weg in den Norden Deutschlands. Im Lübecker Marionettentheater von Fritz Fey – Erfinder des „Fiete Appelschnut“ – machte sie ihre Ausbildung, als Requisiteurin am Lübecker Stadttheater lernte sie den dortigen Musikdramaturgen kennen – „und das war ich!“ Und warum nun Wuppertal? „Als Dramaturg muss man alle drei Jahre woanders hin“, so Weißenborn. Wuppertal sei attraktiv gewesen, „auch wegen Pina Bausch!“ Dem Generalintendanten Friedrich Meyer-Oertel gab er den Rat, mehr spielen zu müssen – und platzierte kurzerhand das Marionettentheater seiner Frau im Foyer des Opernhauses, allerdings unter fragwürdigen feuerpolizeilichen Umständen. Aber sie sprachen das „richtige“ Publikum an. „In Wuppertal spielten wir nun Märchen, nicht mehr Opern wie in Bremen. Wir benutzten die Märchen als Vorlage und schrieben sie um in Hochsprache – also kein Kindertheater“, betonte Weißenborn. Zur Begleitung und zur „Entschleunigung“ gab es klassische Musik.

Viele kleine Wunder

Dann aber hatte die Feuerwehr doch Bedenken, und die Puppen mussten das Opernhaus verlassen. Nach einem kurzen Aufenthalt in einem Fernsehstudio an der Uellendahler Straße eröffnete das Marionetten-Theater schließlich 1993 am Neuenteich. Die Räumlichkeiten hatte der Dachdecker Osterritter den Puppenspielern angeboten, eigentlich als Lager. Doch mit der Hilfe großzügiger Spender – „Holz kam vom Bauunternehmer Gerlich, die Kabel von Muckenhaupt“ – wurde ein kleines Theater daraus, und auch die Stadtverwaltung machte – wider Erwarten – bei der Genehmigung keine Probleme. Mit der Unterstützung der Jackstädt-Stiftung wurde das Theater auch barrierefrei. Und auch zur Sparkasse pflegte Weißenborn gute Kontakte und nutzte die Gelegenheit, Jürgen Harmke für dessen Engagement im Förderverein des Theaters zu danken. Das Resultat all dieser glücklichen Zufälle und Umstände: „Die Leute kamen, und sie kommen bis heute!“
Zum Repertoire der Weißenborns gehören jedoch nicht nur die Märchen. Mit den „Familienkonzerten“ wollen sie Kindern und Jugendlichen klassisches Musiktheater, beispielsweise Edvard Griegs „Peer Gynt-Suiten“, näherbringen. Dabei nutzen sie ihre Puppen und spielen bundesweit in großen Sälen mit namhaften Symphonieorchestern. Auf die üblichen dramaturgischen Extravaganzen jedoch verzichtet Weißenborn: „Wir wollen schockieren – mit Vornehmheit und Schönheit.“
Es zeigte sich also in den Geschichten und Geschichtchen von Günther Weißenborn, dass es viele kleine Wunder waren, die schließlich das große Wunder Müllers Marionettentheater möglich gemacht haben, an dem nicht nur die Wuppertaler so viel Freude haben, und Antje Lieser dankte dem sympathischen Theatermann für seine stimmungsvollen Erzählungen.
Im Anschluss ging es hinunter in den Kassensaal, wo noch bis zum 28. Juni 150 von Ursula Weißenborn handgefertigte Marionetten zu bewundern sind. Höhepunkt war dann eine Aufführung des „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry. Die ausverkaufte Vorführung bewunderten auch OB Andreas Mucke, Sparkassen-Vorstand Gunther Wölfges und der Schweizer Konsul Thomas Casura.