Entscheidertreffen: „Einfach machen und vorankommen“

(22.02.2018)

Deutschlands bester Uni-Rektor im Fokus: Beim Entscheidertreffen am 20. Februar 2018 in der ehemaligen Markuskirchen, heute ein Raum der Tanzschule Asfahl, war diesmal Lambert T. Koch zu Gast, der ungewohnt offen nicht nur über seine Tätigkeit in Wuppertal, sondern auch über persönliche Dinge sprach.

Die markantesten Stationen sollten kurz vorgestellt werden, um danach zum Wesentliche zu kommen – und so fasste Christoph Nieder, Vorsitzender von wuppertalaktiv! und gemeinsam mit Jochen Eichelmann, Mitglied der Programmkommission, die wichtigsten Punkte im Leben von Lambert T. Koch schnell zusammen: 1965 in einem kleinen Ort bei Darmstadt geboren, aufgewachsen in Würzburg, Studium der Wirtschaftswissenschaft, Habilitation in Jena, seit 1999 Professor an der Bergischen Universität Wuppertal, seit Anfang September 2008 Rektor, drei Mal zum Rektor des Jahres gewählt und erst vor wenigen Wochen für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt.

„Jetzt würde mich aber einmal etwas ganz anderes interessieren: Wie bist du heute in deinen Tag gestartet? Und wie sah dein Tag heute aus?“
Und so erfuhren die Gäste in der Markuskirche nicht nur, wann der Wecker des Rektors typischerweise klingelt (um 6.30 Uhr), was er morgens nach dem Aufstehen als erstes macht (Rückenübungen), ob er mit seiner Familien gemeinsam frühstückt (in der Regel schlafen seine Söhne länger als er), sondern auch, welche Entscheidungen er an diesem Tag bereits getroffen hat (es ging vor allem um die Einstellung neuer Professoren, dazu gab es eine vierstündige Rektoratssitzung) und wie seine Kindheit in Würzburg eigentlich so war. „Wir waren zu Hause fünf Kinder, mein Vater Theologe, die Mutter klassisch Hausfrau. Ich war oft draußen, viel auf dem Bolzplatz. Geprägt hat mich vor allem der Zusammenhalt in der Familie. Ich hatte das Glück, zwei Instrumente lernen zu müssen – heute würde ich sagen: zu dürfen.“ Konkret waren das Klavier und Waldhorn, wobei vor allem ersteres, die Lambert T. Koch einige lukrative Auftritte als Organist auf Hochzeiten einbrachte: „doppelte Gage“.


Und der Student Lambert T. Koch? „Ich glaube, ich wäre eigentlich faul gewesen. Aber weil ich vorher zwei Jahre als Zeitsoldat gearbeitet hatte, hatte ich das Gefühl, etwas aufholen zu müssen.“ Acht Semester brauchte er bis zum Diplom, Musik, christliche Jugendarbeit und außerdem gute Partys prägten diese Zeit. „Wobei ich jemand war, der zum Glück immer recht gut auf den Punkt lernen konnte und dann für die Klausuren fit war.“
Auch im Leben eines Rektors gab und gibt es dabei Menschen, die ihn bis heute geprägt haben. Neben seinem Elternhaus sind das vor allem ein Aachener Pastor und ein amerikanischer Professor, der ihn als Gast in die USA holte und ihn ihm die Idee des Generationenvertrags verankerte. Spannend auch sein erster Eindruck von Wuppertal: „Gar nicht mal so hässlich“, dachte er damals – und schaffte es bis heute, die Uni auf ausgezeichnete Weise aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Heute lernen dort 22.000 Studenten und arbeiten 3100 Mitarbeiter an drei Hauptstandorten. „Das ist eine Mannschaftsleistung, das gilt vor allem an der Uni. Man kann nicht verordnen, gut zu lehren oder gut zu forschen – man kann nur die nötigen Rahmenbedingungen dafür schaffen.“


Und auch wenn schon viel passiert ist, wirklich zufrieden ist Lambert T. Koch noch nicht. „Wir haben es geschafft, selbstbewusster zu werden, aber da sind wir noch nicht am Ziel. Wir sind bei den Studenten attraktiver geworden und haben ein interessanteres Studienprogramm, aber auch da können und werden wir noch mehr tun.“
Mit Blick auf das Thema Bildung forderte Lambert T. Koch, man müsse Formate finden, um den Wissenspool immer wieder zu erweitern und zu erneuern, lernen im Alter und die Förderung von Kindern seine noch verbesserungswürdig. Und von den Eliteuniversitäten in Amerika könne Deutschland sich noch eine Menge abschauen.
Als heute überzeugtem Wuppertaler verfolgt Koch natürlich auch die Entwicklungen in der Stadt, die ihm manchmal ein bisschen zu langsam gehen. „Wir müssen mehr gemeinsam in die gleiche Richtung arbeiten, unserem eigenen Optimismus mehr trauen. Die Bundesgartenschau als Projekt fasziniert mich. Wir brauchen solche Dinge, um eine Strahlkraft zu entfalten, die über das Tal hinausreicht. Die Menschen als Multiplikatoren zu uns holt und dazu führt, dass wir das Renommee bekommen, von dem wir denken, das wir es verdient haben. Einfach mal machen und vorankommen.“


Zuletzt gab es dann noch einen kleinen Ausblick auf die Zukunft der Uni, auch wenn das aus der Sicht von Koch eher ein Blick in die Glaskugel ist. „Für Sie will ich ihn aber gerne wagen.“ Koch geht davon aus, dass die Uni in den kommenden Jahren vor allem qualitativ, weniger aber quantitativ wachsen wird, dafür reiche der Platz gar nicht mehr aus. „Und wir werden den Weg in die Digitalisierung weitergehen. In der Forschung sind wir hier schon gut aufgestellt, aber wir werden auch noch ein eigenes Studienangebot in Informatik aufbauen, Bachelor und Master. Und wir werden das Thema E-Learning voranbringen und noch weiter in unserer Lehre integrieren.“