W-IMPULS 2018: Der Gewinner des IMPULS 2017 berichtet

(02.08.2018)

‚Deine Hand für Europa‘, oder was interessiert mich billiger Käse aus Holland, während an der Küste Europas tausende von Menschen stranden. Eine Bestandsaufnahme mit Pascal Biesenbach, dem Gewinner des W-Impuls 2017

Deine Hand für Europa - NILS BECKMANN

„Gemeinsam Bewusstsein schaffen für unsere Freiheit und unser Leben in den Städten und Regionen des größten Binnenmarkts der Welt und dem größten Friedensprojekt der Menschheit. Wir sind Teil von etwas Großem. Jeden Tag. Hier zeigen wir es.“ So lautet der Eingangssatz in der Bewerbung von Pascal Biesenbach für das W-Impuls-Gewinner-Projekt 2017 ‚Deine Hand für Europa‘.

Für den Verein ‚Aufbruch am Arrenberg’ sollten kurze Clips von max. 1-2 Minuten entstehen, in denen Wuppertaler bei ihren alltäglichen Handlungen gezeigt werden und deren Verbindung zu Europa hergestellt wird. Verbindendes visuelles Element ist die blau eingefärbte Hand, die sagt: mit meiner Individualität bekenne ich mich als Teil Europas zu unserer Gemeinschaft. Der Youtubekanal umfasst inzwischen 22 Filme mit verschiedenen Statements, zum Beispiel: ‚Europa ist stark, weil es Ausgleich zwischen Staaten und Einzelinteressen schafft. Und was die Welt braucht ist mehr Solidarität und weniger Alleingänge.‘ (Nils Beckmann 7.9.2017)

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Beflügelt durch den Gewinn ist Pascal Biesenbach mit viel Begeisterung im Herbst vergangenen Jahres und - wie es scheint - in einer völlig anderen Zeit in die Realisation von ‚Deine Hand für Europa’ gestartet - noch vor der Bundestagswahl und dem Wandel in der politischen Auseinandersetzung.

Heute wird die Diskussion um Europa in hohem Maße von der Debatte um Geflüchtete aus vorwiegend muslimischen Ländern geprägt. Biesenbach sah sich plötzlich vor die Tatsache gestellt das Projekt Europa unter einem immer dominierenden Aspekt verteidigen zu müssen, anstatt Befürworter zu finden. Biesenbach: „Nicht nur, dass viele Menschen eine gewisse Kamerascheuheit haben und auf Knopfdruck nicht mal eben ein positives Statement für Europa raushauen können. Ich musste mir solche Sätze anhören wie: 'nee, was interessiert mich billiger Käse aus Holland, wenn an der Küste Europas gleichzeitig tausende von Menschen stranden.' Das kam von christlicher genauso wie von muslimischer Seite.“

Im Angesicht von Menschen, die in überfüllten Booten im Mittelmeer versuchen euopäisches Festland zu erreichen und Nationalstaaten, die sich weigern die Ankommenden aufzunehmen, im Angesicht von zahllosen Ertrunkenen und gleichzeitiger Kriminalisierung von privater Seenotrettung und einer Politik, die sich in zähen Verhandlungen über die Sicherung der europäischen Außengrenzen aufreibt, ist es inzwischen unmöglich, über Europa als grenzenlosen Kontinent der Freiheit und Demokratie zu reden.

Biesenbach fährt fort: „Das Resultat dieser politischen Fokussierung auf europäischer Abschottung und Grenzsicherung bei gleichzeitiger Kritik bspw. an der Türkei hat eine zunehmende Polarisierung und zum Teil starke Kritik an Europa hervorgebracht. Wie kann eine so genannte europäische Wertegemeinschaft, die sich auf Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie und Gleichheit gründet, gleichzeitig eine private Seenotrettung kriminalisieren und im Angesicht von Ertrinkenden über Grenzsicherung reden. Während ich für ‚Deine Hand für Europa‘ unterwegs war, kam ich mit meinen Gespächspartnern also zwangsläufig darüber ins Gespräch was wir tun können, um das europäische Projekt zu retten und in den Köpfen der Menschen wieder als positiv zu verankern. Wir haben Foren geschaffen, in denen sich Menschen treffen, die sonst nicht miteinander ins Gespräch kämen. Statements in Videoform waren nicht mehr das richtige Mittel. Wir brauchten direkte Begegnung, um uns über unsere Haltung zu verständigen. Durch diese Erfahrungen hat ‚Deine Hand für Europa‘ eine Wandlung von Clip zu Forum durchlebt. Hieraus ist auch eine neue Veranstaltungsreihe mit dem Titel ‚Glaube, Ideologie und die Zukunft` entstanden. Sie startet im Herbst“
 
Was also als ein von Anfang bis Ende durchkonzipiertes Schubladenprojekt begann, hat sich während seiner Realisierung verwandelt und wird dies absehbar weiter tun. Den unschätzbaren Wert eines vereinigten Europas im Bewusstsein der Menschen zu verankern, ist Kern des Anliegens geblieben. Denn nach wie vor gilt: Europa ist und bleibt das größte Friedensprojekt der Menschheit und braucht mehr Solidarität und weniger Alleingänge.

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