Baustellengespräch: Ein Kessel Einzigartiges

(10.10.2017)

Sie sind immer hochinteressant und bieten außergewöhnliche Einblicke: die Baustellengespräche von wuppertalaktiv!. Doch nie war eines spektakulärer als das am 5. Oktober. Denn wem bietet sich schon die Gelegenheit, eine Baustelle im Inneren eines Gaskessels zu besuchen?

Fotos: Tom V Kortmann

Christoph Nieder, Vorsitzender von wuppertalaktiv!, bedauerte bei seiner Begrüßung zu Recht diejenigen, die an diesem Montag nicht die Zeit gefunden hatten. Die rund 60 Mitglieder und Gäste aber, die sich trotz Staus und Nieselregen auf den Weg nach Heckinghausen gemacht hatten, erlebten eine beeindruckende Veranstaltung – denn in dem ehemaligen Gaskessel wird etwas Einzigartiges entstehen.
Verantwortlich dafür ist der Bauherr Thomas Drescher, dem Nieder ausdrücklich dankte für die Möglichkeit, die Baustelle in einem so frühen Stadium besuchen zu dürfen. Drescher, im Hauptberuf Geschäftsführer der SPORT-PARK GROUP, ist bekannt für außergewöhnliche Locations und Konzepte, dies zeigen seine Fitnesscenter in der Elberfelder Papierfabrik und dem ehemaligen Umspannwerk auf Lichtscheid oder der kürzlich eröffnete Trampolin-Park in Vohwinkel. An diesem Nachmittag erläuterte er seine Pläne gemeinsam mit seinen Partnern Marcello Groß und Daniel Mai, den verantwortlichen Architekten vom Wuppertaler GKM architektur studio.

„Das ist nix für mich!“
Die Idee zu dem Vorhaben sei ihm auf einer Immobilientour mit dem ehemaligen Quartiersmanager und heutigem OB Andreas Mucke gekommen – obgleich er an dem Monument kein Interesse gehabt habe. Doch als er allein in dem 67 Meter hohen und 38 Meter breiten Zylinder gestanden habe, sei die erste Frage gewesen: „Was machst Du daraus?“ Die Antwort: In den Kessel wird ein rund 20 Meter hohes, fünfstöckiges Gebäude integriert, das an den Seiten drei Meter Abstand zur Wand haben wird. Das Erdgeschoss soll eine Gastronomie beherbergen, die folgenden Stockwerke werden – natürlich – zum Fitnesscenter, und ganz oben soll Raum bleiben für Events, Ausstellungen, Lichtinstallationen – sogar heiraten wird man im Gaskessel können. Der Clou wird die Aussichtsplattform auf dem Dach sein. „Von dort kann man sehen, wie schön unsere Stadt ist“, begeistert sich Drescher.

Europaweit einzigartig
Noch aber ist der Umbau im Verzug. Das liegt aber nicht an der Denkmalschutzbehörde – der 65 Jahre alte Gaskessel ist seit 1998 ein Industriedenkmal – sondern vor allem an den statischen Messungen, die ein Jahr andauerten und für die überhaupt erst einmal ein Statiker gefunden werden musste. Auch der Außenanstrich brauchte länger als vorgesehen.
Und dann musste ja noch auf- und leergeräumt werden. Das betraf vor allem die 580 Tonnen schwere Scheibe, die früher hydraulisch auf und ab schwebte und unter der sich das Gas befand. Dazu kamen noch rund 400 Tonnen Betongewichte. Die Scheibe ist zu drei Vierteln demontiert, der verbliebene Teil wird in das Ensemble integriert und soll als Ausstellungsfläche dienen. An der Innenwand sind bereits meterhohe Verstärkungen angebracht, in die Löcher geschnitten werden, um das Licht einzulassen. In der Mitte des Kessels steht nun ein Turm, auf dem in Kürze ein Kran montiert wird, mit dessen Hilfe die Betonelemente für das Gebäude zusammengefügt werden. Der Kran übrigens wird im Kessel bleiben und für Events genutzt werden können.
Viele Fragen ihrer Gäste mussten Drescher, Groß und Mai beim Klettern auf den Turm und die Scheibe beantworten, und das hörte auch nicht beim zünftigen Imbiss mit heißer Suppe und kühlem Bier auf.
Klar ist, mit dem Gaskessel bekommt die Stadt ein weiteres, in diesem Fall zumindest europaweit einzigartiges Highlight, das nicht nur die Wuppertaler begeistern, sondern auch Besucher von nah und fern anziehen wird.