157. BB: Nicht Hidden, nur Champion

(11.04.2018)

Das Traditionsunternehmen Delphi hat sich neu aufgestellt und plant unter dem neuen Namen „Aptiv“ nichts weniger als die Führungsrolle beim vernetzten und automatisierten Fahren zu übernehmen. Wie das gelingen kann und was alles dazugehört, darum ging es beim 157. Business Breakfast am 10. April.

Eines der traditionsreichsten Unternehmen hat an diesem 10. April zum 157. Business Breakfast eingeladen – und doch ist alles neu und anders. Die Rede ist vom Autozulieferer Delphi, der seinen Namen geändert hat und sich als „Mobility Provider“ neu am Markt positioniert. Oder – wie Geschäftsführer Matthias Laumann es ausdrückte – als „Start-up mit mehr als 100 Jahren Erfahrung“. Denn das 1874 gegründete Unternehmen hat nicht nur eine lange, sondern auch eine sehr bewegte Geschichte hinter sich. Schnell entwickelte es sich zum größten Kabelherstellers Europas, wurde erst von Philips, dann von General Motors aufgekauft und schließlich wieder eigenständig. 2003 dann die Konsolidierung der unterschiedlichen Wuppertaler Standorte auf Lichtscheid, im weithin sichtbaren und markanten Gebäude direkt neben dem W-Tec.

Jetzt also ein neues Kapitel in der Firmengeschichte – und genau um das ging es an diesem Tag. Aptiv hat den Anspruch, eine weltweite Führungsposition beim vernetzten und automatisierten Fahren einzunehmen und sich gegen Google und Co. zu positionieren. Wie das gelingen kann, zeigte ein eindrucksvolles Video von der CES in Las Vegas, bei dem Aptiv die Besucher durch ein vollautomatisch fahrendes Auto abholen und an ihr Ziel bringen ließ. „Es ist wichtig, so etwas in der Praxis testen zu können, daher freut es uns sehr, dass wir auch in Wuppertal die Möglichkeit dazu haben“, sagte Unternehmenssprecher Thomas Aurich. „Bei uns ist das Auto dann der Fahrschüler.“

Dabei ist das Thema autonomes Fahren weitaus komplexer, als es zunächst den Anschein haben mag. Denn zunächst einmal wird zwischen 5 unterschiedlichen Stufen unterschieden, wobei 0 für „Driver only“ steht, 2 für „teil-automatisiert“ und 5 für „fahrerlos“. Während moderne Autos inzwischen auf Stufe 2 angekommen sind, ist es bis zum fahrerlosen Auto noch ein weiter Weg. Bis zu 20 unterschiedliche Sensoren müssen dafür in der Endausbaustufe miteinander vernetzt und mit den richtigen Algorithmen bedient werden. Und das Ganze mit einer Sicherheit von 200 Prozent, also einem komplett redundanten System, bei dem jederzeit ein Teil ausfallen darf, ohne dass es zu einem Problem kommt.

Weil das Fahrzeug am Ende Objekte nicht nur erkennen, sondern seine Umwelt verstehen muss, setzen die Experten von Aptiv Künstliche Intelligenz und neuronale Computernetzwerke ein. Dieses Maschine-Learning wiederum braucht entsprechende Steuergeräte, die Aptiv derzeit weltweit als einziges Unternehmen herstellt und aktuell im neuen Audi A8 verbaut. Diese Steuergeräte sammeln und verknüpfen die Daten aller Sensoren und machen so im ersten Schritt neue Funktionen möglich, die über die eigentlichen Anwendungen wie Einparkhilfen hinausgehen. Dazu zählen etwa ein Parkhaus-Pilot und ein Traffic-Jam-Pilot, der es ermöglich, im Stau autonom bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h zu fahren. Doch die Entwicklung geht noch weiter und Steuerungssysteme kommender Generationen werden noch mehr Funktionen haben.

Klar wurde an diesem Tag: Das automatisierte Fahren ist eines der großen Themen unserer Zeit – und wird entscheidend von einem Unternehmen aus Wuppertal entwickelt und vorangetrieben. Das hat übrigens auch positive Auswirkungen auf den Bereich Personal. So plant Aptiv in den kommenden Monaten rund 200 neue Mitarbeiter einzustellen, die den Mitarbeiterpool, der aktuell aus etwa 40 verschiedenen Nationen besteht, noch weiter auszubauen.

Gastgeber des nächsten Business Breakfast ist die Volksbank. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 16. Mai, ab 7.45 Uhr in den Räumen der VillaMedia an der Viehhofstraße 123 statt.