150. BB: Jubiläum mit Durchblick

(21.06.2017)

Modernste Technik für den Menschen – unter diesem Thema stand das 150. Business Breakfast am Mittwoch, 21. Juni, in den Räumen der Concordia am Werth. Gastgeber der Jubiläumsveranstaltung war die Radprax Gesellschaft für Medizinische Versorgungszentren mbH, die mehr als 160 staunenden Gästen zeigte, welche technischen Möglichkeiten sich bereits heute und vor allem künftig in der Medizin bieten werden – und wo derzeit noch ihre Grenzen liegen.

Der Start war holprig und amüsant zugleich – und zeigte eindrucksvoll, was modernste Technik heute eben noch nicht immer kann: perfekt und völlig fehlerfrei funktionieren. Und so tat sich Andreas Martin, Geschäftsführender Gesellschafter der radprax GmbH und Gastgeber des 150. Business Breakfast, mit Datenbrille und Beamer zunächst ein bisschen schwer, den rund 160 Anwesenden vorzuführen, wie der Weg der Radiologie in die virtuelle Realität aussehen wird. Doch auch wenn nicht alles auf Anhieb klappte und die virtuellen Objekte sich nicht anstandslos aus dem virtuellen Schrank nehmen lassen wollten, wurde schnell klar: Hier passiert gerade eine Revolution.

Ausgerüstete mit der sogenannte HoloLens des Herstellers Microsoft zeigte Martin die Verbindung von echter und virtueller Welt – was die Besucher live auf dem Beamer mitverfolgen konnten: Die Datenbrille HoloLens hat ein transparentes Visier, durch das der Nutzer das normale Abbild seiner Welt wahrnimmt. Auf diesem Visier können nun digitale Objekte eingeblendet werden, die für den Betrachter als Teil in der echten Welt wahrgenommen werden. Das klingt ein bisschen unheimlich, ist in der medizinischen Praxis allerdings ein Meilenstein, der neue Behandlungsmethoden und Diagnosemöglichkeiten eröffnet.

Das Gefühl, das alles in der Welt immer schneller passiert und die Entwicklung rasanter voranschreitet, brachte Martin gut am Beispiel der Röntgentechnik auf den Punkt. 1895 erstmals entdeckt, passierte bis nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst nicht viel. In den 50er Jahren schließlich erfanden Mediziner das Kontraströntgen und waren plötzlich in der Lage, Organe wie Herz, Lunge und Nieren darzustellen. Der erste Schritt in die digitale Welt folgte 20 Jahre später mit der Erfindung der Computertomographie. Anfangs von den führenden Unternehmen belächelt, schickte sich eine Schallplattenfirma schließlich an, das erste Gerät zu bauen. Durchsetzen konnte sich die zwar nicht, doch sie verhalf der neuartigen Diagnostik zum Durchbruch. Die Magnetresonanztomographie schließlich, seit Anfang der 80er Jahre im Einsatz, machte erstmals eine strahlenfreie Untersuchung möglich. Seitdem ist der technische Fortschritt – in diesem Fall zum Glück – nicht aufzuhalten. „Heute sind wir nicht nur in der Lage, das Innere eines Körpers abzubilden, wir können auch seine Funktionen erfassen: Bewegungen, den Stoffwechsel, die Gewebeelastizität und sogar die Hirnfunktionen – und zwar in Echtzeit“, sagte Martin. In der Praxis bedeutet das, dass Mediziner heute beispielsweise an einem virtuellen Modell die Folgen einer Gehirnoperation vorhersagen können. Was passiert, wenn an einer bestimmten Stelle ins Gewebe geschnitten wird? Welche Verbindungen werden dann möglicherweise gestört?

In Kombination mit der Datenbrille wird Science Fiction so tatsächlich erlebbar. Mediziner werden sich künftig etwa das dreidimensionale Abbild eines schlagenden Herzens einblenden lassen, an das sie herantreten und das sie umgehen können, ganz so, als wäre es tatsächlich vor ihnen im Raum. Auch mit ganzen Körpern ist das möglich, wie Andreas Martin eindrucksvoll zeigte. Unterschiedliche Schnittebenen lassen den Mediziner in Sekunden ein vollständiges Bild bekommen – die Diagnose wird so um ein vielfaches einfacher und sicherer. „Das hier ist ein riesen Schritt in Richtung Zukunft. Die Realität wird so erweitert, dass es eine nahezu umfassende Diagnostik geben wird“, sagte Martin – und fügte mit Blick auf die Startschwierigkeiten zu Beginn der Demonstration sicherheitshalber und mit einem Augenzwinkern hinzu, dass diese Technik derzeit noch nicht klinisch genutzt werden kann.

Dennoch wird es im Bethesda Krankenhaus ab 2018 einen weiteren großen Schritt in Richtung Zukunft gehen, denn einiges an dieser Technik ist heute eben bereits doch marktreif. So wird das Krankenhaus im kommenden Jahr ein Gerät für MR-guided radiotherapy in Betrieb nehmen – ein Gerät, bei dem die Mediziner die Bestrahlung beispielsweise bei einer Tumorbehandlung innerhalb des Körpers auf den Millimeter genau steuern und die Wirkung am Bildschirm live verfolgen können. Und das ganz ohne einen Eingriff, „berührungsfreies, bildgebungsgesteuertes Operieren“ heißt das medizinisch korrekt. Wie passend und auch beruhigend, dass es da zum Abschluss des wirklich spannenden Vortrags von Andreas Martin, ein ganz handfestes und zugleich analoges Präsent für ihn gab: eine Rohrzange made in Wuppertal.

Das nächste Business Breakfast ist am Mittwoch, 12. Juli, im Petrus-Krankenhaus. Gastgeber dann ist der Klinikverbund St. Antonius und St. Josef, die sich – quasi in Anknüpfung an das vergangene Business Breakfast – mit der Zukunft der Patientenversorgung beschäftigen.