147. BB: Maschinenbau Kooperation Wuppertal: "Wir trauen uns alles zu!"

(23.03.2017)

Wie kann eine Software die Produktion eines Unternehmens nachhaltig verbessern, die Qualität steigern und die mögliche Leistung voll ausschöpfen? Indem sie als zentrales System alle Daten erfasst, auswertet und hilft, Fehler zu vermeiden.

Um dieses Thema ging es beim 147. Business Breakfast am 23. März, zu dem die Maschinenbau Kooperation Wuppertal eigeladen hatte.

Sechs verschiedene Unternehmen unter einem Dach – das ist die Maschinenbau Kooperation Wuppertal. Alle gemeinsam haben sie ein Ziel: individuelle und maßgeschneiderte Maschinen und Softwarelösungen für ihre Kunden zu finden. Wie das in der Praxis aussehen kann, hat die Maschinenbau Kooperation am Donnerstag, 23. März, als Gastgeber des 147. Business Breakfast vorgestellt. „Manufacturing Execution Systeme als Fundament für eine rationelle Fertigung“ lautete das Thema, zu dem gut 130 interessierte Zuhörer in die Fertigungshallen am Simonshöfchen gekommen waren, wo zwischen Schaltschränken und Traversen erst fürstlich gefrühstückt und dann spannend referiert wurde.
Ein arbeitsreiches Ambiente also, das damit absolut zum Thema dieses Morgens passte. Gegründet hat sich die Maschinenbau Kooperation Wuppertal im August 2000, aktuell beschäftigt sie rund 90 Mitarbeiter, erwirtschaftet rund 11 Millionen Euro Umsatz im Jahr und ist Mitglied in zahlreichen Netzwerken wie zum Beispiel bei InnoNet BL.

Eine Herausforderung der Kooperation ist es, den Gruppengedanken in den Köpfen der Mitglieder zu wecken. Denn nur an die eigene Firma zu denken, hilft am Ende nicht weiter – das Modell funktioniert nur, wenn alle sechs Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich sind. Diese wiederum konzentrieren sich auf ihre jeweiligen Kerngeschäfte – AST beispielsweise ist für die Steuerungstechnik zuständig, CLEO kümmert sich um Entwicklung und Produktion, während Röder & Piller die Montage und Prüfautomation übernimmt: das ist ein klarer Vorteil der Kooperation, die in dieser Konstellation fast alles möglich machen kann. „Wir trauen uns alles zu. Nur wenn es ähnliche Anlagen bereits in der herkömmlichen Serienfertigung gibt, sind wir raus, das lohnt sich dann weder für uns noch für den Kunden, hier eine individuelle Lösung zu entwickeln“, sagte Philipp Rhode und nannte flache Hierarchien, eine direkte Kommunikation und eine optimale Nutzung der Ressourcen als weitere Vorteile der Kooperation.

Zum eigentlichen Thema des Tages trat dann Philipp Nicolai nach vorne, der zunächst den Ist-Zustand in derzeit noch vielen produzierenden Unternehmen in den unterschiedlichen Dimensionen von der Produktdatenerfassung über Produktions-Planung und -Steuerung bis hin zu Human Resources aufzeigte. Beispiel Maschinendatenerfassung: Hier werden Daten oft noch manuell und schriftlich notiert, ähnlich wie bei der Betriebsdatenerfassung oder sogar im Warehouse Management. Erst im Enterprise Resource Planing werden diesen Daten schließlich digitalisiert und eingespielt, wobei bis zu diesem Zeitpunkt meist viel Zeit verloren geht. Ähnlich sieht es im Bereich Human Resources aus, in dem die Qualifikationen der Mitarbeiter in vielen Fällen nicht allen bekannt sind und nur der Teamleiter weiß, welchen Mitarbeiter er beispielsweise im Krankheitsfall an welcher Maschine einsetzen kann. Bereiche wie Business Intelligence, bei dem es darum geht, langfristige Unternehmensentscheidungen zu treffen, werden so schwerer plan- und kalkulierbar. An genau dieser Stelle kommt nun das Manufacturing Execution System (MES) zum Einsatz. „Es ändert weder die Prozesse noch die Produkte – aber es verbessert die Abläufe im Unternehmen entscheidend“, so Nicolai. Die Stärke von MES ist die Digitalisierung. Alle Daten, sei es bei der Produktdatenerfassung oder bei der Betriebsdatenerfassung, werden von vornherein digital und in Echtzeit in das System eingespielt. „So kann jederzeit auf Realdaten der Produktion zurückgegriffen und bei Störungen frühzeitig umgeplant werden.“ Auch der Materialfluss im Lager wird verbessert, weil nun einsehbar ist, welche Lagerzeit die jeweiligen Komponenten bereits haben, Kartonagen werden exakt erfasst und finden zielgerichtet ihren Weg zum Kunden, die Qualifikationen der Mitarbeiter sind abgespeichert, Schichtleiter können so jederzeit sehen, welche Schulungen bereits absolviert worden sind.
„Im Endeffekt führt das dazu, dass man durch ein Manufacturing Execution System ein zentrales und vor allem cloudbasiertes System hat, das alle Daten papierlos erfasst, Störungen minimiert, so die Qualität steigert und am Ende die Leistung des jeweiligen Unternehmens voll ausschöpft. Auch langfristige Unternehmensentscheidungen lassen sich so besser treffen, wenn man die genauen Zahlen und Fakten kennt“, brachte Philipp Nicolai es zum Abschuss auf den Punkt.
    
Das nächste 148. Business Breakfast findet am Mittwoch, 26. April, bei der Dachdeckerei Mende GmbH statt, dort präsentiert das Kompetenzzentrum Frau und Beruf, Bergisches Städtedreieck zusammen mit der Handwerkerschaft einen Ausschnitt ihrer Arbeit, an diesem Morgen „Mädchen in untypischen Berufen“.