143. BB: "Digitalisierung ist eine Chance"

(02.09.2016)

Sie wird nie fertig und sie ist eine Herausforderung für bestehende Strukturen - aber wenn man sie richtig nutzt, kann man nur von ihr profitieren, sagte Barmenia-Vorstand Dr. Andreas Eurich im Rahmen seines Vortrags über die Digitalisierung in Unternehmen beim 143. Business Breakfast.

Eines vorneweg: Wer noch nie in den immer noch recht neuen Gebäuden der Barmenia gewesen ist, sollte künftig unbedingt einmal einen Abstecher hierhin machen. Allein wegen der tollen Aussicht über Wuppertal lohnt es sich. Die Kulisse für das 143. Business Breakfast war also bereitet - und das Thema ein brandaktuelles: "Der Aufbruch in die digitale Welt."
Als Referent stand Barmenia-Vorstand Dr. Andreas Eurich vor dem gut gefüllten Plenum, spannend war sein Vortrag nicht zuletzt, weil er auch den Blick über den Tellerrand hinaus wagte. So ging es nicht nur um das Versicherungsgeschäft im Wandel, stattdessen stellte Eurich wichtige Thesen in den Raum und gab Antworten auf, die fast alle Gäste beschäftigen dürften: Wie gehen Unternehmen mit dem rasanten Wandel durch die zunehmende Digitalisierung um?

Vorweg gab es dann aber doch noch ein paar Zahlen zum eigentlichen Kerngeschäft der Barmenia - und die hatten es in sich. Mehr als 200 Schaden- und Unfallversicherer und mehr als 80 Lebensversicherer gibt es in Deutschland, die gemeinsam pro Jahr rund 82 Milliarden Euro (Lebensversicherer) auszahlen, beziehungsweise 22 Millionen Schäden mit einem Volumen von 48 Milliarden Euro bewältigen. Jeder kann sich leicht vorstellen, was es bedeutet, wenn dieser riesige Markt sich nun wandelt und in Bewegung ist.
Dabei - um das vorwegzunehmen - sah Dr. Andreas Eurich vor allem die Chancen, die in diesem Wandel liegen. Die Digitalisierung, ein sogenannter Megatrend unserer Zeit, kann ein Vorteil sein, wenn man weiß, mit ihr umzugehen. Drei weitere Megatrends identifizierte Eurich, die ebenfalls einen massiven Einfluss auf nahezu alle Geschäftsmodelle, in Einzelfällen aber auf die Versicherer insbesondere haben: die Individualisierung, die Werteveränderungen und den Demographischen Wandel.
"Schaut man sich die Digitalisierung und die Vernetzung an, so ergeben sich daraus ein verändertes Kundenverhalten, neue Kanäle und Medien, um die wir uns kümmern müssen und neue Anforderungen an unsere Arbeit, auch durch die viel höhere Preis- und Leistungstransparenz." Die Digitalisierung - und hier waren sich sicher alle einig - ist längst in unserem Alltag angekommen. Plattformen und Konzerne wie Facebook, Google und Amazon geben eine atemberaubende Geschwindigkeit vor. "Alles war in einem Unternehmen mit Digitalisierung zu tun hat, muss wahnsinnig schnell gehen." Das, so Eurich, habe vor allem für die Mitarbeiter der Barmenia auch einen Nachteil: "Man wird nie fertig. Und das meine ich ganz wörtlich. Sobald man ein Projekt abgeschlossen hat, kommt das nächste."

Geschuldet ist das in diesem Fall auch der Tatsache, dass sich die Barmenia ganz bewusst entschieden hat, alle vorhandenen digitalen Kanäle zu bespielen. "Viele Teile unseres Geschäftes finden inzwischen digital statt." Als Beispiele nannte Eurich Vertragsabschlüsse, die Information über Suchmaschinen und Vergleichsportale und auch die Rückkopplung des Angebots mit Freunden via Facebook. "Wer sich darauf nicht einstellt, wird große Probleme bekommen."
Doch der Wandel betrifft nicht nur die Kunden, er macht auch vor den Mitarbeitern nicht halt. Früher hätte man den Mitarbeitern Workstations eingerichtet, damit sie in der Lage gewesen sein, von Zuhause aus zu arbeiten, "heute sitzen sie im Zweifel mit dem Laptop bei Starbucks", sagte Eurich.

Wichtig ist es, bei all den Veränderungen zwei wichtige Ziele nicht aus dem Blick zu verlieren: die Digitalisierung als Mehrwert für das eigene Unternehmen zu nutzen und mit ihr die verborgenen Effizienzen zu heben. "Es soll schneller und leichter gehen, niemand möchte dadurch mehr Arbeit haben." Im Fall der Barmenia bedeutet das zum Beispiel, dass mittlerweile rund 20 Prozent aller Schadensfälle komplett digital abgewickelt werden, hier ist kein "echter" Mitarbeiter mehr involviert.
Vier Punkte sind es, die die Barmenia sich auf ihre digitale Agenda geschrieben hat und die am Ende auch für viele andere Unternehmen gültig sein dürften. Dazu gehören die Kunden und den Markt zu verstehen, die Produkte und Services zu vereinfachen, die Kundeninteraktion neu zu definieren und die Technologie zu nutzen. "Wenn man all das berücksichtigt, wird einem die Digitalisierung nur Vorteile bringen", sagte Dr. Andreas Eurich abschließend unter großem Applaus.

Das nächste Business Breakfast findet am 6. Oktober bei der Rinke Treuhand GmbH in den neuen Räumen am Wall statt. Thema dann wird sein, wie sich der technologische Wandel auf den Bereich der Steuerberatung auswirkt.