212. Businesss Breakfast
Vom Nein zum Wow: 5-Jahre hoch hinaus auf dem Brückensteig
Was braucht es, damit aus einer Idee etwas Großes entsteht? Begeisterung - na klar. Mut – auch wichtig. Aber was, wenn die Umsetzung nicht so glatt läuft wie erwartet? Dann kommen Durchhaltevermögen, Hartnäckigkeit und mitunter auch ein laaanger Atem ins Spiel. Ganze 12 Jahre hat es gedauert bis aus der Vision „Brückensteig“ endlich Realität und eine Erfolgsgeschichte wurde. Aus einer über 100 Meter hohen Eisenbahnbrücke, die noch immer befahren wird, wurde ein begehbarer Tourismusmagnet. Über den langen Weg und wie am Ende doch alles gut wurde, berichtete beim heutigen Business Breakfast die Deepwood GmbH.
Antje Lieser begrüßte die Gäste im Namen von wuppertalaktiv! und der Wirtschaftsförderung im Haus Müngsten mit Blick auf Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke. „Mitten im Zentrum des Bergischen Landes haben wir diese wunderbare Attraktion, die so viel positive Aufmerksamkeit auf die Region zieht. Zurecht hat der Brückensteig letztes Jahr den Wirtschaftspreis für das beste Stadtmarketing gewonnen“, so Lieser.
Janine Ballein, Leiterin des Brückensteigs, konnte die verdiente Auszeichnung mit beeindruckenden Zahlen belegen. Jährlich zieht die einmalige Attraktion bis zu 10.000 private Besucher*innen an. Mit den Business-Kund*innen, die den Brückensteig auch für Firmenevents buchen können, sind es sogar bis zu 15.000 Wagemutige. Dafür reisen die Besucher*innen längst auch überregional an. Kein Wunder, neben dem Nervenkitzel werden die Kletterer in 100 Metern Höhe direkt über der Wupper mit einem Instagram-tauglichen Foto-Spot belohnt.
Bis dahin war es aber ein steiniger Weg. Søren Walla und Gottfried Engendahl gründeten 2009 die Deepwood GmbH. Sie boten Team-Building Events und Trainings an, die sie u.a. im Müngstener Brückenpark abhielten. Bei einer Aktion an einer Kletterwand plötzlich die Erkenntnis: „Wir klettern hier unten, dabei steht direkt neben uns diese riesige Brücke. Warum schicken wir die Leute nicht da hoch?“, erinnert sich Walla. Die Idee des Brückensteigs hatte sich in ihren Köpfen festgesetzt. „Dann haben wir gegoogelt: Gibt es irgendetwas vergleichbaren? Wenn ja, wo?“ Die Antwort: Die nächste vergleichbare Attraktion befindet sich in Sidney, Australien.
Und genau darin lag eine Schwierigkeit: Wie setzt man etwas um, das sonst keiner hier vorher je gemacht hat? Damit begann der lange, lange Weg der Umsetzung. Geprägt von Sicherheitsbedenken, Auflagen, Denkmalschutz, Naturschutz… Da die Brücke noch immer befahren wird, mussten die beiden Gründer die Deutsche Bahn mit ins Boot holen: „Anfangs mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten, aber am Ende hat die DB uns sehr unterstützt“, so Walla.
Unglaubliche 12 Jahre hat es gedauert, bis der Brückensteig am 01.08.2021 offiziell eröffnet wurde. „Das war ein besonderer Tag für uns, weil wir zum ersten Mal mit dem Projekt an die Öffentlichkeit gegangen sind“, sagt Walla.
Was lange währt… Nur 48 Stunden später waren schon fast 1.000 Tickets gebucht. „Das verrückte war, wir befanden uns mitten in der Corona-Pandemie. Und der Brückensteig war eine der wenigen Aktivitäten, die mit den Pandemie-Auflagen konform war. Und die Leute hatten Lust, wieder rauszugehen und etwas zu erleben“, so Engendahl. National Geographic, Geo-Magazin, diverse TV-Shows… der Brückensteig erregt Aufmerksamkeit. „Weil wir bei Google eine glatte 5-Sterne-Bewertung haben, bei knapp 2.000 Stimmen. Das gibt es sonst fast nirgendwo“, weiß Engendahl.
Der Erfolg ist da. Aber wie geht es weiter? Auch hierfür gibt es bereits Pläne. Die drei Bergischen Städte planen im Müngstener Brückenpark ein Besucherzentrum für die Region. Und auch der Brückensteig soll ein eigenes Gebäude bekommen. Statt zu bauen wird eines der Häuser aus dem Solar Decathlon Europe in den Brückenpark umziehen. Die Schlüsselübergabe hat bereits stattgefunden.
Eine größere Vision für die Region haben die beiden Unternehmer auch schon: das Brückenland Bergisches Land. Zusammen mit den geplanten Brücken zur BUGA 2031 und bei Schloss Burg sehen die zwei hier viel Potenzial, um das Städtedreieck touristisch zu platzieren.
Was dabei noch helfen würde? Der Titel „Weltkulturerbe“. Der Antrag für die Müngstener Brücke ist bereits gestellt. Ein begehbares Weltwerbe ist der große Wunsch. Ob auch das erreicht wird? Bestimmt. Schließlich haben die Deepwood-Geschäftsführer gezeigt, was alles möglich ist, wenn man immer weiter an seine Idee glaubt. „In der Region gibt es ein unfassbares Potenzial. Wenn man bereit ist trotz Widerständen dranzubleiben, ein Nein nicht direkt als ein Nein zu nehmen und die Leute ins Boot holt, dann kann man hier so viel erreichen“, weiß Walla.
Im Anschluss hatten die Mutigen unter den wuppertalaktiv-Mitgliedern die Möglichkeit, den Brückensteig selbst zu testen. Bei manchen überwog die Vorfreude, bei manchen das Zittern in den Knien. Aber es lohnte sich! Die Begeisterung danach war groß und die nächsten 5-Sterne sicher.
Übrigens: der Brückensteig feiert 5-jährigen Geburtstag. Am 14.08. wird der mit einem Spendenlauf gefeiert, an dem auch Unternehmen teilnehmen können. Der Erlös geht an das Kinderhospiz Burgholz. Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen.
Von einem Wahrzeichen der Region zum nächsten: Die Schwebebahn feiert 125 Jahre. Im Jubiläumsjahr laden die Wuppertaler Stadtwerke am 16.07. zum nächsten Business Breakfast ein.