Rückblick 210. BB
Die Bundesbahndirektion als „drittes Rathaus“ in Wuppertal
Beim 210. Business Breakfast wurde ein Ort erlebbar, der sinnbildlich für den Wandel der Stadt steht: die ehemalige Bundesbahndirektion, mitten in Wuppertal. Nach umfassender Modernisierung ist hier ein zentraler Verwaltungsstandort entstanden, mit neuer Funktion, neuer Struktur und einem klaren Fokus auf die Bedürfnisse der Bürger*innen.
Pünktlich zum 150. Jubiläum sind zahlreiche zentrale Services der Stadt, wie das Straßenverkehrsamt, das Einwohnermeldeamt oder das Jobcenter, in das Gebäude eingezogen. Was früher ein Verwaltungsbau der Bahn war, ist heute das „dritte Rathaus“ – ein Ort, an dem verschiedene Ämter zusammenarbeiten und Verwaltung neu gedacht wird.
Oberbürgermeisterin Miriam Scherff betonte in ihrer Begrüßung der zahlreichen Mitglieder von wuppertalaktiv! die Bedeutung dieser Entwicklung für die Innenstadt: Die gemischte Nutzung stärke nicht nur das Gebäude selbst, sondern auch das urbane Umfeld. Stolz machte sie auch das hohe Interesse an der wiederbelebten Bundesbahndirektion.
Dr. Sandra Zeh, Beigeordnete für Personal, Digitalisierung und Wirtschaft, gab Einblicke in die Herausforderungen des Projekts. Unterschiedliche Ämter, Institutionen und Partner – darunter Universität, Jobcenter und Eigentümer – mussten zusammengeführt werden.
Das Ergebnis ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Kulturen und Arbeitsweisen. Oder, wie es anschaulich beschrieben wurde: ein Stück weit wie eine Wohngemeinschaft, in der gemeinsame Regeln und ein gemeinsames Verständnis erst entstehen müssen. Begleitet wurde dieser Prozess bewusst, um eine tragfähige Basis für Zusammenarbeit zu schaffen.
Ein zentrales Ziel der Neuausrichtung ist die Verbesserung der „Customer Experience“ für Bürger*innen. Rund 5.000 Menschen nutzen den Standort täglich – ein klares Signal für die Akzeptanz des neuen Konzepts. Die gute Erreichbarkeit durch die zentrale Lage am Hauptbahnhof sowie die fortschreitende Digitalisierung der Services sind dabei wichtige Faktoren.
Wie sich dieser Anspruch konkret zeigt, konnte Martina Grave, Abteilungsleiterin im Straßenverkehrsamt, am Beispiel des Straßenverkehrsamts verdeutlichen. Ein neues, übersichtliches Terminsystem, dass direkt auf verfügbare Onlineleistungen verweist und so Verknüpfungen zu digitalen Services schafft, soll den Bürgern dabei helfen ihre Anliegen einfacher und flexibler beantragen zu können. Oder etwa die Schließfachanlage für gewerbliche Kund*innen für die Ablage und Abholung von Dokumenten. Der sichere Zugang erfolgt über einen QR-Code und ermöglicht eine flexiblere Nutzung ohne Wartezeiten. Ein Blick in die Zukunft lohnt sich ebenfalls: geplant ist auch eine Dokumentenausgabebox für den Bürgerservice. Hier wird deutlich: Verwaltung soll einfacher, zugänglicher und flexibler werden. Die Services sollen kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt werden.
Auch im Bereich E-Government wurden Fortschritte vorgestellt. Nicole Sommer, Fachgebietsleiterin für E-Government und Digitalisierung, zeigte die Bandbreite bereits verfügbarer Online-Services: von der Fahrzeugzulassung bis zur Adressänderung. Allein in den vergangenen drei Monaten wurden diese Angebote über 3.300 Mal genutzt. Besonders gefragt: der digitale Führerscheinumtausch. Und das Angebot wird kontinuierlich ausgebaut, etwa für spezifische Zielgruppen wie Taxiunternehmen.
Trotz aller Fortschritte bleibt Verwaltung ein System, das stark vom Faktor Mensch geprägt ist. Gerade in publikumsintensiven Bereichen wie dem Straßenverkehrsamt erfordert die Organisation der Abläufe einen hohen Planungsaufwand, oft mit einem Vorlauf von mehreren Wochen. Unvorhersehbare Ereignisse wie Krankheitswellen zeigen dabei, wie wichtig flexible und robuste Prozesse sind.
Das Business Breakfast machte deutlich: Die Bundesbahndirektion ist weit mehr als ein neuer Verwaltungsstandort. Sie ist ein Beispiel dafür, wie moderne Stadtverwaltung funktionieren kann – zentral, digital und serviceorientiert.
Gleichzeitig wurde eines klar:
So wichtig Digitalisierung und Effizienz auch sind: der Mensch bleibt im Mittelpunkt. Denn Verwaltung lebt nicht nur von Prozessen und Systemen, sondern von Begegnung, Vertrauen und Austausch.
Um Menschen und Austausch wird es auch wieder beim 211. Business Breakfast gehen. Am 16. April laden die Veranstalter des Wuppertaler Wirtschaftspreises ins Pina Bausch Zentrum zum Auftakt des Wirtschaftspreises 2026 ein.