Kulturausflug
Pina Bausch Zentrum under construction
Es gibt Orte, bei denen man schon beim Betreten spürt: Hier entsteht gerade etwas Besonderes. Das zukünftige Pina-Bausch-Zentrum ist so ein Ort.
Bei unserem Kulturausflug hatten wir die Gelegenheit, einen exklusiven Blick auf das zu werfen, was hier in den kommenden Jahren entstehen wird. Wir durften durch das ehemalige Wuppertaler Schauspielhaus streifen, auf der Bühne stehen, verborgene Ecken entdecken und schließlich von der Terrasse auf die Stadt schauen. Also genau die Art von Ausflug, die wir bei wuppertalaktiv besonders mögen. Orte entdecken, an denen Zukunft entsteht, Menschen treffen, die etwas zu erzählen haben und dabei ein bisschen schlauer nach Hause gehen, als man gekommen ist.
Nach der Begrüßung durch Tanja Schäfer nahm uns Helge Lindh per Video-Schalte zunächst mit in die Idee hinter dem Projekt. Bettina Milz machte anschließend sehr anschaulich, was hier in den kommenden Jahren entstehen soll und wie sich das historische Schauspielhaus dabei verändern wird.
Schon bei seiner Eröffnung 1966 war das Schauspielhaus seiner Zeit voraus. Es wurde als demokratisches Theater gedacht: keine Logen, keine privilegierten Plätze, gute Sicht für alle. Ein Haus, das Menschen nicht nach Rang sortiert, sondern zusammenbringt.
Und genau dieser Gedanke findet sich auch im zukünftigen Pina-Bausch-Zentrum wieder. Hier entsteht ausdrücklich kein Museum für die Vergangenheit, sondern ein lebendiger Ort für die Zukunft: für das Tanztheater, internationale Produktionen und das Archiv der Pina Bausch Foundation, aber ebenso für Begegnung, Austausch und Partizipation im Forum Wupperbogen. Ein Haus, das offen sein soll für eine Kunst, von der heute noch niemand wissen kann, wie sie morgen aussehen wird.
Wie ernst dieser Anspruch genommen wird, zeigt sich auch in der Architektur. Im internationalen Wettbewerb setzte sich der Entwurf des renommierten New Yorker Büros Diller Scofidio + Renfro durch. Das Spannende daran: Die Jury bewertete anonymisierte Entwürfe und wusste bei ihrer Entscheidung nicht, welches Büro dahinterstand. Am Ende überzeugte schlicht die Idee.
Besonders hängen geblieben ist uns an diesem Abend aber ein Gedanke, den Helge Lindh in seiner Videobotschaft aufgriff: der Unterschied zwischen Erlebnis und Erfahrung. Ein Erlebnis ist ein Moment. Eine Erfahrung bleibt und wird Teil der eigenen Geschichte.
Und vielleicht beschreibt das unseren Kulturausflug ziemlich gut.
Wir haben viel über Architektur, Tanz, Stadtgeschichte und die Zukunft dieses besonderen Hauses erfahren. Wir standen auf einer Bühne, auf der seit 17 Jahren kein reguläres Publikum mehr gestanden hatte, und konnten einen Bereich betreten, der den meisten Wuppertalerinnen und Wuppertalern lange verborgen geblieben war. Vor allem aber konnten wir uns vorstellen, was hier einmal entstehen wird, und wir konnten spüren, welches Potenzial dieser Ort für die Zukunft hat.
Dazu kamen gute Gespräche, viele Fragen, neugierige Blicke hinter sonst verschlossene Türen und am Ende das Gefühl: Hier entsteht etwas Besonderes für Wuppertal.
Es war ein rundum schöner und informativer Abend und definitiv mehr als nur ein Blick auf eine Baustelle.